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Haller Tagblatt Aufgepasst!

Hallo Haller Tagblatt,

es gibt zwei Kapitalfehler im Journalismus.

Der kleinere Fehler: Man schreibt ungeprüft ab bzw. übernimmt Texte, ohne sie nachzurecherchieren. Peinlich.

Der andere, größere Fehler: Man beschäftigt als Redaktion schreibende Mitarbeiter, die augenscheinlich eine „Mission“ haben. Also solche Leute, die so vollkommen auf ein bestimmtes Thema fixiert sind, es hinter jeder Ecke lauern sehen und alles in ihrem eigenen Sinne umdeuten. Leute, die sich dabei nicht scheuen, Fakten und anderslautende Informationen gezielt auszulassen oder sogar die Wahrheit zu beugen. Hier wird es mehr als peinlich, hier wird es möglicherweise auch „juristisch“!

So geschehen am 15. Mai, als sich das Haller Tagblatt mit seinem „Reißer“-Kommentar „Gibt es rassistisches Gedankengut unter Haller Club-Pächtern…? ” weit ins journalistische Abseits manövriert hat, wie auch zuvor bereits mit einem stark tendenziösen und vielerlei Hinsicht unsachlichen, schlecht recherchierten und rufschädigendem Artikel in gleicher Sache.

Als Clubbetreiber eines multikulturell und international aufgestellten Clubs kann ich dazu eigentlich nur sagen: „Liebes Haller Tagblatt: Habt Ihr noch alle Latten am Zaun?!“

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, um alles aufzuzählen, was Ihr hier falsch gemacht habt. Vielleicht bei mir selbst: Ich habe in England studiert, bei Lufthansa international gearbeitet und war auch danach mit meiner Firma proveo über sieben Jahre lang praktisch jede Woche in aller Herren Länder auf allen Kontinenten unterwegs. Ich habe mit Kollegen aus den verschiedensten Kulturen hervorragend zusammengearbeitet und tue das auch heute noch. Und ich habe eine Vielzahl von Freunden überall auf der ganzen Welt. Freunde der verschiedensten Hautfarben, der verschiedensten Kulturen, Religionen und Weltanschauungen. Internationalität und interkulturelle Teamarbeit begleiten mich schon mein ganzes Leben.

Der Club in Hall wurde aus der Leidenschaft für qualitativ hochwertige Live- & Clubveranstaltungen eröffnet. Unser Team besteht aus bunt gemischten Nationalitäten (u.a. Russland, Syrien, Kroatien, Polen), unsere Künstler reisen oft aus dem Ausland nach Schwäbisch Hall an, unsere Gäste sind international wie in keinem anderen Club in der Region. Jeder unserer Besucher weiß das, und alle anderen können das gerne auf unsere Club-Website nachrecherchieren.

Das Feedback, das wir bekommen sowie der steigende Zuspruch zum Club zeigen, dass unsere Gäste sich bei uns sehr wohl und auch sehr sicher fühlen. Das ist nicht selbstverständlich, sondern Ergebnis einer sehr ausgewogenen und gut geplanten „Tür-Auswahl“. Wir weisen niemanden wegen seiner Nationalität, Sprache, Religion oder Hautfarbe ab, niemals. Im Gegenteil: Wir lieben es bunt und multikulturell! Mehr noch als das: Internationalität ist bei uns Programm, nicht nur bei der Musik, bei allem.

Abgewiesen werden Gäste stets nur aus sachlichen Gründen – vor allem wegen erkennbarer Gewaltbereitschaft bzw. offen dokumentierte Zugehörigkeit zu entsprechenden Gruppierungen. Auch übermäßiger Alkoholkonsum oder anderweitige Berauschtheit können ein Grund für eine Abweisung am Einlass sein. Weiter kommt es vor, dass sich Personen vor oder im Club unangemessen verhalten. Desgleichen kann ein bereits zuvor ausgesprochenes persönliches Hausverbot Grund für eine Abweisung sein. In einigen Fällen sind es negative Erfahrungen mit demjenigen aus der Vergangenheit. Einige Abweisungen erfolgen deshalb, weil die betreffende Person in der Vergangenheit mit anderen Personen angetroffen wurde, die Ärger verursacht haben oder am Abend mit einer solchen Person erscheinen. Daraus leiten wir keine „Sippenhaft“ her, sind es unseren friedlichen Gästen aber schuldig, dass wir selbst den Anfängen wehren und nicht den Hauch von Unsicherheit aufkommen lassen wollen. Manchmal liegt es auch einfach daran, dass der Club voll ist und nur noch Stammgäste eingelassen werden.

Aber selbstverständlich wollen wir ja, das Gäste zu uns kommen – lieber mehr als weniger – und in jedem Fall gibt es nur eine einzige Motivation, jemanden NICHT in den Club zu lassen: Nämlich das Wohl der anderen Gäste, der überwiegenden Mehrheit friedlicher Partygänger, die sich amüsieren, ohne andere Gäste zu belästigen. Das ist unser Ziel, alle sollen sich wohlfühlen, für niemanden soll eine Gefahr oder ein ungutes Gefühl bestehen.

Gibt es dabei auch Fehlentscheidungen? Ja. Selten, aber es kann vorkommen. Solche Fehlentscheidungen können entstehen, wenn eine Verwechslung vorliegt oder wenn das Verhalten einer Person falsch eingeschätzt wird. Es geht aber um Fehleinschätzungen beim Verhalten von Menschen, nicht um Ausgrenzung wegen der Hautfarbe oder der Herkunft.

Allerdings ist unsere klare Vorgabe zum Wohlbefinden unserer Gäste: Lieber weisen wir fünf Gäste unberechtigt ab, um befürchteten Ärger abzuwehren, als dass wir einen störenden Gast versehentlich reinlassen, der dann Ärger macht. Die friedliche Atmosphäre im Club gibt uns Recht.

Übrigens: Wer sich ungerecht behandelt fühlt, kann sich jederzeit mit uns in Verbindung setzen. Vor Ort muss unsere Entscheidung allerdings akzeptieret werden.

Mit dem Gesamtergebnis, was den Einlass betrifft, können wir bei vielen Tausend Besuchern im Monat hochzufrieden sein.

Die Art und Weise, wie das Haller Tagblatt seine reisserischen Artikel und Kommentare aufmacht, lassen aber viele offene Fragen aufkommen:

1.)   Warum habt Ihr Euch nicht in angemessener Form bei mir gemeldet, bevor ein so unausgegorener Artikel erscheint? Mein Tag ist streng durchgetaktet, aber mit ein wenig Vorlauf hätte man sich durchaus zusammensetzen und das Thema besprechen können, anstatt von Eurer Seite aus hektisch Informationen anzufordern.

2.)   Warum habt Ihr die Informationen und Antworten, die Euch am 14. Mai dennoch per E-Mail zur Verfügung gestellt wurden, einseitig und selektiv behandelt? De facto habt Ihr nur das rausgepickt was Euch in den Kram gepasst hat. Es muss der Eindruck entstehen, dass sich das Haller Tagblatt schon vorher eine feste Meinung gebildet hat!

3.)   Warum geht Ihr das Risiko ein, mich persönlich als Rassisten zu bezeichnen, mich journalistisch in die Nähe von „braunen Hohlköpfe“ (Zitat) zu bringen und den Ruf des Clubs und meiner Person mutwillig bzw. sogar vorsätzlich zu schädigen?

4.)   Warum erlaubt Ihr Euren Schreibern, einen derart dümmlichen und pauschalen Reflex bzgl. Ausländerfeindlichkeit auszuleben, der niemandem nützt, am allerwenigsten unseren ausländischen Mitbürgern und Gästen selbst?

5.)   Warum wird ein solcher Artikel nicht von einem verantwortlichen und befähigten (Chef)Redakteur geprüft, sondern mit all den falschen Fakten und Unterstellungen abgedruckt?

6.)   Sind die Artikel etwa dem Umstand geschuldet, dass das HT jetzt händeringend irgendetwas sucht, weil es keinen Presseplatz beim NSU-Prozess gegeben hat?

7.)   Warum kommt nicht mal jemand im Club vorbei und macht sich selbst ein Bild von unserem internationalen Team/Publikum/Künstlern hier in der Kantine Schwäbisch Hall?

8.)   Warum bringt Ihr nicht einfach mal einen Bericht über die Schwierigkeiten und Herausforderungen, eine gute Arbeit an der Türe zu leisten? Man kann es nie allen Recht machen, aber wenn es so wenig Probleme gibt wie bei uns, dann ist die Qualität der Arbeit definitiv hoch.

Das Haller Tagblatt hätte durch eine einfache Recherche oder eine einfache Nachfrage erfahren können, wie breit aufgestellt wir sind in Bezug auf unsere Mitbürger anderer Nationalitäten, anderer Kulturen, anderer Hautfarbe und Sprache und wie intensiv wir diese Mitmenschen einbeziehen.

So bleibt ein ganz fader Geschmack im Mund. Ein G´schmäckle. So entsteht der Eindruck, dass das Haller Tagblatt eine Diskussion zum Nachteil von Unternehmen entfachen will, nur um die eigene Auflage zu erhöhen. Schade, dass das HT die Grenzen des eigenen Handelns nicht erkannt hat. Oder aber erkannt und mutwillig überschritten hat.

Übrigens werden wir uns selbst bei Herrn Diaz melden, nachdem er ja bisher wie gesagt den direkten Kontakt vermieden hat, um dieses Thema im Dialog zu einem Ende zu führen.

 

In diesem Sinne,

SK_Unterschrift

Steffen Knödler

 

Download Offener Brief Haller Tagblatt (PDF) >>